In der St. Josef-Kirche konnten die Besucher der Nacht der offenen Kirchen drei außergewöhnliche Angebote erleben. Zum Einstieg in den Abend trug Peter Markovic Auszüge aus seinem Gedichtband „Kreuzweg“ – begleitet von Orgel- (Werner Mutschke) und Saxsophonimprovisationen (David Pompetzki,Tenorsaxophon) – vor.

Danach trug Rainer Neuendorf  (Seelsorger und Schauspieler) „Der Fall Judas“ – Ein Stück von Walter Jens – vor.

Den ganzen Abend über war außerdem die Gelegenheit die ausgestellten Kreuze im Kirchenraum und die damit verbundenen Geschichten zu betrachten.

Zum ausführlichen Bericht von Peter Markovix über die Kreuzweg-Improvisation bitte hier weiterlesen.

Ein Kreuzweg, der das Leben preist
Multimediaprojekt in St. Josef fasziniert in seiner Kreativität

In einer multimedialen Schau aus Bildprojektionen, Lyriklesung und Musikimprovisation erschloss sich dem Zuschauer in der „Nacht der offenen Kirchen” in St. Josef die Passion Christi als umfassender Heilsplan. Gleichzeitig erlebte das Publikum ein intensives Zusammenspiel der Aufführenden Werner Mutschke (Orgel, Bilder), David Pompetzki (Tenorsaxofon) und Peter Markovic (Autor und Sprecher) im intermusischen Dialog.

Am Anfang war das Bild, erläuterte Markovic, Koblenzer Poetry Slammer der ersten Generation, zum Einstieg. Der Kirchenmusiker Werner Mutschke, gleichzeitig versierter Fotograf, hatte einen Zyklus von Detail- und Makroaufnahmen vorgelegt. Die Bilder waren durch digitale Bearbeitung und Entwicklungstechniken so verändert, dass sie den Charakter von abstrakten Aquarellen angenommen hatten. Die Titel dieser Bilder nahmen dann Bezug auf die Stationen des Kreuzweges.

Auch hier, wie bei früheren Projekten der beiden, schrieb Peter Markovic dazu wieder Gedichte, die die einzelnen Stationen und Aspekte der Passion durchleuchteten. Dabei lässt er die Protagonisten oft selbst zu Wort kommen, wie zum Beispiel Herodes, den einzigen nicht mit Jesus verwandten Menschen im Glaubensbekenntnis, oder Simon von Cyrene im Moment, da er zum Mittragen des Kreuzes gezwungen wird. Bezüge zur Gegenwart werden hergestellt und theologische Erkenntnisse zu prägnanten Formulierungen verdichtet(z. B. „Du bist erhöht über alle/ Am Höhepunkt deiner/ Erniedrigung” im Gedicht „Gekreuzigt”).

Haben schon die Texte Markovics Vortrag eine eigene Musikalität, wird diese noch gesteigert durch die Improvisationen von Werner Mutschke an der Orgel und von David Pompetzki am Tenorsaxofon.

Tritonische Akkordkluster, eine faszinierende Bandbreite an Klangfarben und atonalen Motiven sowie das Spiel mit der Akustik des Chorraums von St. Josef erzeugen in einer durch Musik geschaffenen Welt des bewussten Innehaltens die Berührungspunkte am Kreuzweg menschlicher Lebensbahnen und führen den Hörer zu einer Sehnsucht nach weiteren Horizonten, deren Tiefe das virtuose Spiel David Pompetzkis weiter facettenreich erschließt. Pompetzkis Kunst ist umso höher zu beurteilen, als er bis zum Moment des Auftritts weder die lyrischen Texte noch das musikalische Konzept Mutschkes noch den Raum kannte. Trotzdem blenden sich seine jazzigen Phrasierungen nahtlos ein, treten in den Dialog mit den Gedichten und dem Orgelspiel, übernehmen die Führung und fügen neue Gefühlsebenen hinzu.

„Da verstand ich in der Endlichkeit das/ Unendliche/ Und im Opfer des Lebens die Liebe/ Und im Tod das Leben” Wie sehr das Publikum gefangen war, zeigte sich nach diesem letzten Gedicht. Der letzte Akkord der Schlussimprovisation war mehr als 20 Sekunden verklungen, als der erste Applaus einsetzte und dann nachhaltig die Künstler für einen außerordentlich gelungenen Auftritt belohnte.

 

 

Nacht der offenen Kirchen – Zeig Dein Kreuz